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Wie die Bodenreform die Landschaft veränderte
Wie die Flurbereinigung ein Dorf auf Orust veränderte, sieht man am Beispiel des Dorfes Nedre Haga unmittelbar südlich der Vräland-Straßenkreuzung. Die Höfe liegen nun jeder für sich entlang der Bergkante in Richtung Wiesen und Wald. Das frühere Dorf lag gleich oberhalb des heutigen Parkplatzes beim Runenstein. Der Ort bestand aus fünfzehn Häusern und Scheunen, Erdkellern und Gärten. Als Ergebnis der verordneten Flurbereinigung wurde das Dorf im Jahre 1841 aufgelöst.
Das gesamte Anwesen Nedre Haga gehörte während des 17. Jahrhunderts dem Bauern Jon Rassmusson. Nach seinem Tode 1697 wurde der Hof unter seinen beiden Söhnen aufgeteilt. Der älteste Sohn Engelbrekt baute ein Haus und eine Scheune neben dem elterlichen Haus. Das alte Heim wurde vom jüngeren Bruder Anders übernommen. Beide starben um 1728. Deren Kinder wiederum teilten die Höfe in je zwei Hälften. Dadurch wurde das Anwesen in vier Viertel aufgeteilt. Zwei weitere Wohnhäuser wurden in dem Örtchen errichtet. Die Scheunen nutzte man gemeinsam. Der Ackerboden lag in langen, schmalen Feldern neben dem Dorf. Durch die Erbteilung hatte jeder Eigentumsanteil ein Viertel an jedem Feld erhalten. Um 1775 wurde einer dieser "Viertelhöfe" in zwei Achtel aufgeteilt. Es wurde immer schwieriger zu bestimmen, wo nun die Grenzen verliefen. Deshalb wurde im Jahr 1784 eine Bodenordnung durchgeführt. Diese Bodenreform brachte mit sich, daß jeder Hofe seine Ackerflächen an einer Stelle zusammengefaßt bekam. Die "Likhogen-Wiesen" im Osten und "Heden" im Süden wurden ebenfalls in vier Grundstücke aufgeteilt, so daß jeder Hof seine Äcker und Wiesen auf lediglich drei Stellen verteilt hatte. Die Weiden und den Wald im Westen des Dorfs nutzte man bis 1812 gemeinsam. Danach wurden auch diese Flächen aufgeteilt, daß jeder Hof einen eigenen Anteil erhielt. Niemand im Dorf mußte seine Wohnstatt verlassen und umziehen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gingen die Grundstücksaufteilungen weiter. Im Jahre 1820 waren bereits drei der Höfe in jeweils Achtelhöfe aufgeteilt. Zwanzig Jahre später existierten schon neun Hofstellen. Es gab neun Wohnhäuser und neun Scheunen. Sieben von ihnen lagen noch innerhalb des alten Dorfes. Zwei weitere befanden sich entfernter auf neu kultiviertem Wiesengelände. Die Situation wurde unhaltbar. Eine weitere Urbarmachung war aufgrund der vielen kleinteiligen Grundstücke fast unmöglich. Die Bauern forderten eine offizielle Flurbereinigung. Diese erfolgte im Jahre 1841. die Landmesser teilten das Eigentum in nicht weniger als 345 unterschiedliche Flächen. Jedes einzelne Stück wurde bewertet, damit die Neueinteilung auch gerecht erfolgen konnte. Einige der Wohnhäuser hatten mehrere Zimmer und eine Küche. Alle hatten Zimmerdecken und ein Dachgeschoß, das meist auch einen Aufenthaltsraum aufwies. Die größeren Häuser hatten ein Ziegeldach, andere ein mit Torf gedecktes Dach. Nur ein Haus war von außen gestrichen; es war rot. Alle Scheunen waren mit Stroh gedeckt und mit senkrechten Balken errichtet; sogenannte Ständer. Die Außenverkleidung bestand aus Brettern und Wacholderreisig. Darüber hinaus hatte jeder Hof in der Regel einen frei stehenden Erdkeller sowie einige Obstbäume. Nur in einem Fall gab es ein sogenanntes "Heimlichhaus" (Abtritt). Die drei Grundeigentümer die weiterhin im Dorf wohnen durften, hatten die größten Anteile. Zwei von ihnen hatten darüber hinaus gleich nebenan neue Häuser gebaut. Der dritte Bauer wohnte in einem älteren, größeren Haus, das auf dem ältesten Grundstück des Ortes stand. Die übrigen Grundeigentümer des Dorfes mußten ihre Häuser abbrechen und zu anderen Plätzen umziehen. Diese Grundstückseigentümer hatten kleinere Häuser und waren in der Regel arm. Selbstverständlich sollten alle Beteiligten für die Umzugskosten gemeinsam aufkommen, aber die Umsiedlung wurde doch sehr beschwerlich und die, die davon betroffen waren, kamen mit der Veränderung nur schwer klar. Sie mußten außerdem die Äcker gegen Wiesen eintauschen, was den Ertrag je Doppelmorgen noch schmälerte. Mehrere der umgesiedelten Familien konnten ihre Höfen nicht halten. Hier folgt in Kürze, was in Nedre Haga im Rahmen der verordneten Flurbereinigung im Jahre 1841 passierte. Damals wurden das Eigentum in neun Teile unterteilt; bezeichnet mit A bis I.
Von den ursprünglich neun Anwesen blieben nur noch fünf übrig. Die Grenzen aus dieser Landverteilung von 1841 sind noch dieselben, was aus der Nutzungskarte (ekonomiska kartan) klar abzulesen ist. Die neue Straße zwischen Varekil und Henån, die kurz nach 1960 gebaut wurde, trug sicherlich dazu bei, daß sich die Nutzungsbedingungen zum Teil veränderten; der Anteil E erhielt eine gleichmäßig breiten Zuschnitt im Ausgleich zu den Restflächen östlich der Straße. Aber im Übrigen bestehen die bei der Flurbereinigung im Jahr 1841 gezogenen Grenzen auch heute noch fort.
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