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Besiedelung

So hat man auf Orust gebaut

Wie sich die Bebauung auf Orust entwickelt hat, kann man in den Texten über die Bauern der Steinzeit bis zur Entwicklung in den Außenbereichen im 19. Jahrhundert nachlesen. Aber wie sahen eigentlich die Häuser selbst aus? Lassen Sie uns eine kurze Reise durch die Zeiten unternehmen und soweit möglich, die verschiedenen Bauweisen erkunden.

Das Langhaus aus der Wikingerzeit wurde während des frühen Mittelalters durch eine gezimmerte Hofbebauung mit mehreren Häusern ersetzt. Die "Ryggåsstuga" (Rauchstubenhaus) wurde im 18. Jahrhundert zum gebräuchlichen Wohnhaus. Quellen deuten darauf hin, daß man seinerzeit begann, die Wände zu erhöhen und Decken einzuziehen. Auf diese Weise erhielt man zusätzlichen Dachraum, der als Lagermöglichkeit oder während des Sommers auch als Schlafplatz diente. Der Linné-Schüler Pehr Kalm besuchte im Jahr 1742 ein solches Haus auf Otterön in der Gemeinde Kville:

"Die Häuser sind wohl gebaut, aber die Baumstämme sind innen nicht ausgebildet oder eben gehauen; es wurde lediglich die Rinde entfernt. Über ihren Hütten hatten sie immer einen Schlafraum oder einen Boden, wo sie im Sommer schliefen, aber einen Herd gab es dort oben nicht."

Rauchstubenhaus der Hageskärs-Kate bei Nötskär, abgerissen 1914 Foto: Erik Asklands Sammlung.
Die einzige Behandlung, die die Häuser vielleicht erhielten, war eine Imprägnierung mit Heringstran. Das Endholz galt es besonders zu schützen. Die Feuerstätte als Licht- und Wärme-quelle, war weiterhin der Mittelpunkt der Wohnung. Kalm notierte bei seinem Besuch auf Orust, daß die Herde und Kamine aus Feldsteinen gebaut wurden, die mit Lehm bestrichen waren, um eine Rißbildung zu vermeiden. Die Fenster waren aus Holz und mit engen Sprossen versehen. Glas war teuer und nicht alle hatten das notwendige Geld dafür. Die Dächer waren mit Tang, Torf oder mit Holz gedeckt, oder nahm das, was man gerade zur Verfügung hatte.

Häuser mit einfacher Breite

"Enkelstuga" (Einfachhaus) wird der Haustyp genannt, der aus einer "Stuga" (Stube) mit Kammer und seitlichem Anbau besteht. Die Stuga diente als Wohnraum, in dem man schlief, aber auch das Essen zubereitete. Dieser Haustyp existierte bis weit ins 19. Jahrhundert hinein.

Grundriß einer Enkelhaus
Eine andere Variante war, daß die Küche vor dem Wohnraum angeordnet war, um den lästigen Rauch fernzuhalten. Zu Beginn war die Stuga gezimmert. Die Küche wies einfache Züge auf; später zimmerte man aber auch die Küchenbereiche. Dieser Haustyp mit Küche und Zimmer oder Stube, war während des 19. Jahrhunderts weit verbreitet. Man nennt ihn an der Westküste auch Einfachhaus, oder Haus mit einfacher Breite. Im selben Takt, wie sich im Laufe des 19. Jahrhunderts die Qualität der Sägeblätter verbesserten, kam es in Bohuslän in Mode, die Wohngebäude mit Holzpaneel zu verkleiden. Hatte man nicht die finanziellen Mittel für alle vier Wände, so begnügte man sich mit den beiden Seiten, die Wind und Wetter am stärksten ausgesetzt waren. Die Paneelen waren anfangs Deckbretter ohne gesägte Kanten. Diese groben Bretter, die man heute fast nur noch bei einfachen Schuppen sieht, mußten bald den parallel gesägten Brettern mit profilierten Deckleisten weichen.

Im 19. Jahrhundert wurde es auch üblich, die Häuser anzustreichen. Zu Anfang war rote Farbe weit verbreitet. Der königliche Regierungsbeamte J. F. Hellberg gibt eine allgemeine Beschreibung der Bebauung auf Orust und Tjörn um das Jahr 1820:

"Wenige Orte sind so wohl gebaut, wie diese. Gewöhnlich hat jeder Bauer eine mit Ziegeln gedeckte, mit Brettern verkleidete und gestrichene Wohnstatt, welche eine Stube, eine Gästekammer und eine Küche haben, sowie eine Kammer auf dem Dachboden. Die Scheunengebäude sind je nach der Größe des Hofes auch gezimmert und die meisten sind mit einem Ziegeldach versehen. Auch die Leute auf den Schären haben gezimmerte und ziegelgedeckte Hütten; aber hier offenbart sich die Armmut überall."

Inzwischen wissen wir, daß es nicht überall so „modern" zuging. Bei der Flurbereinigung in Nedre Hoga im Jahre 1841 war nur eines der insgesamt neun Wohnhäuser gestrichen; keine einzige Scheune war mit Ziegeln gedeckt, alle hatten Strohdächer.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden helle Leinölfarben immer gebräuchlicher. Nach der Jahrhundertwende dominierten diese Farben an den Wohngebäuden.

Vom Einfachhaus zum Doppelhaus

Man kann davon ausgehen, daß es in den Einfachhäusern oftmals sehr eng zuging. Dies galt insbesondere für den Küstenbereich, wo man nicht so viele Vorratshütten hatte, wie in den ländlicheren Gebieten. Man behalf sich mit allerlei Anbauten, Schlepp- und Pultdächern, die meist an den Langseiten der Häuser angebaut wurden. Schleppdächer entstanden meist durch die Verlängerung der Dachtraufe des Haupthauses. Es kam oft vor, daß das Schleppdach über die ganze rückwärtige Seite des Hauses heruntergezogen und darunter noch zwei Räume eingerichtet wurden; eine Küche und eine Rumpelkammer. Später wurde dann das Schleppdach durch ein neues Dach über das gesamte, nunmehr breitere Haus ersetzt. Der Dachraum wurde dadurch größer und man konnte zusätzliche Dachkammern einrichten. Das Ergebnis war ein Haus mit doppelter Breite; genannt: das „westschwedische Doppelhaus". Dieses war an der Westküste weit verbreitet.

Grundriß eines Doppelhauses
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die Kammern ebenso große, wie das Wohnzimmer und die Küche. Ein solches Doppelhaus hatte einen fast quadratischen Grundriß mit einer Küche und drei annähernd gleich großen Zimmern um einen zentralen Kamin herum. Ein Doppelhaus mit einem erhöhten Kniestock erhielt ein geräumiges Dachgeschoß mit mehreren Räumen. Die Häuser hatten ein Satteldach mit einer Dachneigung von stark 30°. Die Dächer waren mit einwelligen Ziegeln gedeckt. Die Dachvorsprünge wurden mit Perlspund (besondere Zierlatten) verkleidet und die Ortgänge und Spitzgiebel mit profilierten Zierleisten und Laubsägearbeiten verziert.

Die "Einfachhäuser" errichtete man noch bis ungefähr 1910. auf Orust war eine besondere Variante gebräuchlich. Neben der Küche gab es einen Vorraum mit einer Dachbodentreppe mit einer Kammer auf der einen oder einem Vorratsraum auf der anderen Seite.

Die Bauweise des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts wird durch symmetrische Fassaden und dem vielfältigen Zusammenspiel von unterschiedlichen Paneelen, Holzverzierungen und weißer Ölfarbe geprägt.

Saalgebäude und Katen

Über die „Einfach- und Doppelhäuser" hinaus wurde natürlich auch ein großer Teil anderer Häuser gebaut. Diese fand man meist auf den Grundstücken der oberen oder unteren Bevölkerungsschichten.

Saalgebäude sind ein Beispiel dafür. Der Grundriß ist sechsgeteilt und findet seine Ursprünge in Frankreich. Im 17. Jahrhundert kam dieser Haustyp in Schweden als Wohnstatt von Offizieren und Priestern auf. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden solche „Saalgebäude" aber auch von Großbauern erstellt.

Sechsgeteilter Grundriß
Ein anderes Extrem sind die Steinhäuschen und die Katen, die heute meist in Trümmern liegen und in den Wäldern und auf abgelegenen Wiesen überwuchern. In ihnen wohnten Kätner, Sonderlinge und andere Besitzlose. Sie hatten manchmal Grundrisse, wie bei den "Einfachhäusern", aber sie bestanden auch oft aus nur einem einzigen Raum. Beispiele hierfür finden wir in Kultehamn und in dem Steinhäuschen auf Gullholmen.
Steinhäuschen auf Gullholmen Foto: Hjalmar Pettersson, 1989.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden die meisten Wohngebäude aus Holz errichtet. Für die Wirtschaftsgebäude begann man erst im 19. Jahrhundert Paneelen auf ein einfaches Riegelwerk aufzubringen. Liegende Balken wurden durch gesägte Planken ersetzt; zuerst waagerecht, später senkrecht.

Ein guter Platz zum Bauen

Die Häuser wurden in früheren Zeiten oft am Rande der Äcker und Wiesen, neben Wäldern und Felsen gebaut. Der fruchtbare Boden war viel zu wertvoll zum Überbauen. Außerdem wollte man auf einem einigermaßen trockenen und entwässerten Untergrund bauen. Man trachtete danach, die Häuser auf den windgeschützten Seiten von Hügeln oder am Rande eines Gehölzes mit Südwest-Sonne zu bauen.

"Höfe sah man verschiedene auf Orust; mit liebenswerten Wohnstätten, schönen Äckern und Wiesen, die von den umliegenden Felsen und Hügeln eingerahmt sind, wodurch sie nicht der strengen Kälte oder dem heftigen Winde ausgesetzt sind und die warmen Strahlen der Sonne länger genießen können.

Linné bei seiner Reise in Bohuslän, 1746

Wirtschaftsgebäude

Die Anordnung der Wirtschaftsgebäude innerhalb der Hofanlagen unterlag in manchen Landesteilenstrikten traditionellen Regeln. Tjörn und die südlichen Teile des Binnenlandes waren der südschwedischen Tradition mit ihren umbauten Innenhöfen verhaftet, während das mittlere und nördliche Bohuslän eine sogenannte freie Anordnung der Gebäude bevorzugte. Orust scheint an dem Übergang dieser beiden traditionellen Bauweisen gelegen zu haben.

Seebuden und Scheunen

Auch die vom Meer lebende Bevölkerung hatte Bedarf an Wirtschaftsgebäuden. Die Fischer benötigten Schuppen für Gerätschaften und Segel, und die Eigner der Küstensegler Magazine für ihre Waren und Güter. Um 1880 herum begannen die Bootsbauer ihre Boote drinnen zu bauen. Mit der zunehmenden Arbeit auf See nahmen während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch die Schuppen und Magazine an den Häfen und Stränden zu.

Dies Seebuden, die wir heute noch als typisches Merkmal und als Selbstverständlichkeit entlang unserer Küsten wahrnehmen, sind also erst eine relativ neue Erscheinung. Nach alten Karten zu urteilen, gab es bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nur wenige dieser Seebuden.

Früher gab es auch in den Fischerorten Scheunengebäude. Die meisten sind zwischenzeitlich abgerissen, aber einige wenige werden heute noch als Holzvorratsschuppen oder Magazine genutzt.

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