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Die Steinzeit
Als das Eis seinen Griff um Südschweden lockerte, begannen nordeuropäische Rentierjäger ihren Herden über die skandinavische Halbinsel hinauf zu folgen. Damals befand sich Orust noch so gut wie ganz unter Wasser. Diese kleinen Menschengruppen zogen im Takt mit dem schmelzenden Eis immer weiter nach Norden. Als sich das Land vor ungefähr 11.000 Jahren so weit anhob, daß die höchstgelegenen Gebiete von Orust einen Schärengarten bildeten, kamen auch die ersten Menschen hierher. Ihre Wohnplätze befanden sich damals am Strand und liegen heute 40 - 50 Meter über dem Meeresspiegel.
Die JägersteinzeitDie Menschen dieser Zeit waren nicht seßhaft, sondern zogen, abhängig von den Jahreszeiten und dem Nahrungsangebot, von Ort zu Ort. Wahrscheinlich hielten sie sich während des Sommerhalbjahres am Meer oder in der Nähe des Wassers auf und während der kälteren Abschnitte des Jahres im windgeschützteren Binnenland. Im Sommer sammelte man Nahrung und legte den Essensvorrat für den Winter an. Das Salzwasser war reich an Fischen und Delphinen, die man eifrig fischte und jagte. Auch Kronhirsch, Wildschwein und Reh waren eine wichtige Abwechslung im Nahrungsangebot, ebenso wie eßbare Beeren, Nüsse und Pflanzen. Es gibt nur noch wenige sichtbare Spuren dieser Jäger und Sammler. Die Menschen verursachten damals noch keine größeren Eingriffe in die Natur. Sie verwerteten das meiste und es gab wenig Abfall. Was man heute noch findet, sind gerade die Abfallplätze mit Knochen, Hornresten, zurückgelassenen oder verlorenen Steinwerkzeugen, aber auch den Abfall aus der Herstellung von Feuersteinwerkzeug. Von den Hütten blieben Reste von Feuerstellen mit verkohlten Steinen erhalten. Die ältesten Spuren menschlichen Wirkens, die man auf Orust gefunden hat, sind an die 11.000 Jahre alt. In Enersbacken, westlich der Kapelle von Nösund, fand man Äxte und Pfeilspitzen. Die Periode, ab der die ersten Menschen in unser Gebiet kamen, bis zur Zeit des ersten Ackerbaus, vor ungefähr 11.000 - 6.000 Jahren, nennt man auch Jägersteinzeit. Dabei handelt es sich um einen sehr langen Zeitraum und vieles, was sowohl das Aussehen der Landschaft, aber auch die Lebensformen der Menschen veränderte, ereignete sich während dieser Zeit. Die ersten BauernDie weit gestreckten Täler um Morlanda schien man als Wohnplätze auch schon während der späteren Steinzeit, die wir Bauernsteinzeit nennen, geschätzt zu haben. Diese Täler bildeten während der gesamten Steinzeit einen Sund, der den „Björnsundsfjord" im Norden mit „Boxviks Kile" im Süden verband. Die Wohnplätze der Bauernsteinzeit an der damaligen Küste dieses Sunds, liegen heute an den Talseiten 20 - 25 Meter höher. Vor ungefähr 6.000 Jahren begann man mit einfachem Ackerbau. Man legte im Humus des Laubwaldes kleinere Äcker an. Angebaut hat man wahrscheinlich einreihige Gerste und unterschiedliche Weizensorten. Die Viehhaltung war jedoch die Grundlage der Wirtschaft; man hatte Schafe, Ziegen und Rinder. Trotz Ackerbau und Viehzucht, bildeten Jagd, Fischerei und das Sammeln weiterhin wichtige Zweige der Ernährung.
An den Wohnplätzen der Menschen dieser Zeit findet man Keramiken, die zu Gebrauchswaren geworden sind. Die Unterschiede in Dekor und Formgebung veranlassen die Archäologen zu der Annahme, daß die Menschen der verschiedenen Wohnplätze auch unterschiedlichen Kulturgruppen angehörten. Die Keramiken sind daher auch gute Anhaltspunkte, wenn man die Wohnplätze der jüngeren Steinzeit datieren will. In Glimsås in der Gemeinde Morlanda hat man Scherben mit schönem Dekor gefunden. Es sind Reste eines trichterförmigen Keramikbehälters, wie ihn die ersten Ackerbauern herstellten.
Werkzeuge und Waffen wurden, wie auch während der Jägersteinzeit, hauptsächlich aus Feuerstein gefertigt. Diese Steinart kommt bisweilen entlang der Küste von Bohuslän vor. Dieser Feuerstein ist jedoch nicht so fein und fehlerfrei, wie der, der aus den Feuersteingruben aus Schonen und Jylland in unsere Gegend eingeführt wurde. Andere Steinarten, aber auch Knochen und Horn wurden bei der Herstellung von Werkzeugen ebenso verwendet. SteinkammergräberDie Wohnplätze sind zum großen Teil seit Jahrtausenden von der Erdoberfläche verschwunden. Man entdeckt sie oft, wenn man die Erde mit Spaten oder Pflug bearbeitet. Dagegen sind die monumentalen Steinkammergräber der vorzeitlichen Bauern noch gut sichtbar. Diese Gräber, die während der späteren Steinzeit errichtet wurden, sind aus gewaltigen Felsen gebaut. Sie werden Steinkammergräber oder Megalith-Gräber genannt; nach dem Griechischen „megas = groß" und „lithos = Stein". In Schweden gibt es drei Arten der Steinkammergräber: Dös (Dolmen), Gångrift (Ganggrab) und Hällkista (Steinsarg). Von diesen ist der Steinsarg der jüngste. In einem Megalithgrab wurden oft mehrere Menschen beigesetzt. Vieles deutet darauf hin, daß die Gräber über längere Zeiträume genutzt wurden. In einem Teil der Gräber fand man auch Grabbeigaben. Außerhalb des Eingangs hat man manchmal auch zerschlagene Keramik gefunden; vielleicht Reste von Opfermahlzeiten. Die Bereiche um die Tegneby-Kirche zeigen die größte Ansammlung von Megalithgräber in ganz Bohuslän. Ein Dolmen besteht aus flachen Felsen, die nahe beieinander auf die Kante gestellt wurden, so daß sich eine kleine Kammer bildete. Das Dach wird von einem weiteren Felsen gebildet. Außerdem können die Dolmen einen kurzen Eingang haben. Die Grabkammer selbst ist oft von einem Erd- oder Steinhügel umgeben.
Die Ganggräber haben eine rechtwinklige oder eine ovale Grabkammer. In diese führt ein Gang, der in einer Langseite der Kammer mündet. Die Ganggräber sind aus hochkant gestellten Felsen errichtet. Kammer und Gang sind mit mehreren Dachfelsen gedeckt.
Der Steinsarg ist ein rechteckiges Grab, gebaut aus hochkant gestellten Felsen. Es ist mit Dachfelsen gedeckt. Manchmal ist das Grab in mehrere Grabkammern unterteilt. Wie die Dolmen und die Ganggräber, sind die Steinsärge auch von Hügeln umgeben
GedankenweltSich den Gedanken und der Vorstellungswelt der Steinzeitmenschen zu nähern, ist unmöglich; so etwas erhält sich nicht in der Erde. Aber trotzdem es so lange her ist, seit diese Menschen lebten, muß man sich in Erinnerung rufen, daß die Menschen der Steinzeit Gefühle, Gedanken und sicherlich auch eine entwickelte Sprache hatten; etwa wie wir auch. Die Menschengruppen, die es in diesen Gebieten gab, haben zusammen eine Form von Gesellschaft mit einer sozialen Struktur und einem Regelsystem verkörpert. Wir wissen nur nicht, wie diese ausgesehen hat. Wenn die Archäologen die gefundenen Werkzeuge und Hinterlassenschaften deuten, so helfen sie uns zu verstehen, wie die Menschen der Vorzeit lebten. Aus den erhaltenen Gräbern können wir schließen, daß es für die Steinzeitmenschen wichtig war, daß die Toten eine dauerhafte Ruhestätte erhielten. Die Grabbeigaben aus einigen Gräbern deuten darauf hin, daß man an ein Leben nach dem Tode glaubte. Man hat Gegenstände gefunden, die bewußt an ihre Plätze gelegt wurden. Diese sogenannte Depot-Funde, könnten versteckte Schätze oder Opfergaben zur Besänftigung höherer Mächte sein. ![]() |
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