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Die Heringsperioden

Heringsperioden und Küstenbebauung

Zu bestimmten Zeiten hat der Hering weit über das normale Maß hinaus zugenommen. Diese sogenannten Heringsperioden gab es, solange man sie zurückverfolgen kann, grob gerechnet, einmal im Jahrhundert. Die Laichzeit des Herings liegt im Winter. Dann zieht der Hering ins wärmere Küstengewässer. Während des Sommerhalbjahrs fühlt er sich im kühleren Wasser draußen im Meer wohler. Dies sollte uns jedoch nicht dazu verleiten, zu glauben, daß das Wasser in den Buchten des ganzen Landstrichs gleichzeitig vor Heringsschwärmen "gekocht" habe. Oft hat der Hering zuerst in den südlichen Teilen der Schären von Bohuslän zugenommen, bevor er dann langsam nach Norden zog.

Die ältesten Angaben über Heringsperioden sind unklar. Die erste dokumentierte Heringsperiode schien sich während des 12. Jahrhunderts ereignet zu haben und erstreckte sich hauptsächlich auf die Küste Schonens. Es gibt auch Quellen, die auf Heringsperioden im 13. und 15. Jahrhundert hindeuten. Als der Hering in der Mitte der fünfziger Jahre des 16. Jahrhunderts stark zunahm, geschah dies in einer Zeit, aus der uns ausführlichere schriftliche Quellen vorliegen. In der Heringsfischerei-Ordnung des Jahres 1583 kann man lesen, daß "Das Heringsfischen in Norwegen (zu dem Bohuslän seinerzeit noch gehörte) von allerhand fremden Nationen besucht werde."

In den ersten Jahren lagen wohl hauptsächlich Boote aus Ländern mit einer entwickelten Hochseefischerei vor der Küste Bohusläns. Es dauerte einige Jahre, bevor die einheimischen Fischer Kapital beschaffen, Boote bauen und Geräte herstellen konnten. Neben der Fischerei selbst, wurde das Einsalzen des Fanges in Fässern zu einer wichtigen Beschäftigung. Menschen aus nah und fern zog es an die Küste von Bohuslän. Die größten Gewinne gingen selbstverständlich an diejenigen, die die meiste Erfahrung hatten und kapitalstark waren. Sogar der dänische Staat konnte seine Einkünfte durch Zölle und Steuern beträchtlich erhöhen. Durch die große Anziehungskraft der Fischerei wurde die Küste auch bebaut. Der Großteil dieser Gebäude war sicherlich nur einfach und behelfsmäßig. Als der Hering um 1589 verschwand, verschwanden auch viele Menschen und ein Teil kleinerer Fischerdörfer.

Im 17. Jahrhundert nahm der Hering in geringeren Mengen zu, als im 16. Jahrhundert. Der Krieg zwischen Schweden und Dänemark/Norwegen während der Periode von 1675 bis 1720 verschlechterten auch die Bedingungen für die Fischer. Entweder wurden die Fischerdörfer zerstört, wie Gullholmen im Jahr 1676, oder wurden alle Seeleute für die Flotte ausgehoben, wie unter der Herrschaft Karl XII. Die verzeichneten Bootsmänner, die den adligen Olof Strömstierna als Kapitän bekamen, wurden während des Krieges im Jahre 1710 fast vernichtet. Bei Kriegsende 1720 waren die Fischer verarmt und die Obrigkeit mußte die Fischerei auf unterschiedliche Arten unterstützen. Im Jahr 1726 bekam eine Fischereigesellschaft aus Stockholm das Recht, von Käringön aus Fischfang zu betreiben. Im Sommer 1727 wurde ein Vertreter der Gesellschaft nach Käringön geschickt. In seinem Bericht wird die Fischerei auf Käringön auf folgende Weise beschrieben:

"Kabeljau und Lengfisch wird mit großen Backelådor (eine besondere Schiffsart) im Frühjahr drei bis vier Meilen vor Käringön gefangen; doch gibt es bei Käringön nur wenig Kabeljau, und wenn das Treibeis fort ist und die See ganz rein und sicher, fischt man mit Küstenseglern Lengfisch und Kabeljau 20 bis 30 Meilen entfernt in 80 bis 130 Meter tiefem Wasser. Dieses Fischen dauert bis in den Herbst und so bald Michaelis (29. September) gekommen ist, werden die Schiffe aufgebockt, egal wie angenehm und gut das Wetter auch sein mag, ganz nach alter Gewohnheit. Dann sucht man das Glück mit Booten in Gewässern 3 bis 4 Meilen draußen. Dann kann es passieren, daß aus den Booten mehr Fisch herausbefördert wird, als aus den Küstenseglern, je nachdem, ob es den Fisch zum Land hin oder in die Tiefe zieht."

"Die große Heringsperiode"

Mehr als hundert Jahre später nahm der Hering zweifelsohne wieder zu. Diese Periode dauerte von 1753 bis 1808 und wird "die große Heringsperiode" genannt, weil diese Zunahme so hoch und lang anhaltend war. Die Küste blühte noch einmal vor Leben auf, als Scharen von Menschen hier heraus zogen, um an der Arbeit mit dem Hering teilzuhaben. Es waren nicht nur Auswärtige die an dieser Arbeit teilhatten; auch Kätner, Bauern und Tagelöhner aus den Küstenorten hatten die Möglichkeit hier Geld zu verdienen. Die Heringsfischerei fiel in den Spätherbst und den Winter. Da bedurfte es in der Landwirtschaft eines geringeren Einsatzes, was vielen eine Saisonarbeit ermöglichte.

Zu Beginn der Periode wurde der größere Teil des Herings eingesalzen. Die Salzereien lagen hauptsächlich im südlichen Schärengebiet. Dort war es auch, wo der Hering zuerst ankam und auch während eines großen Teils der Heringsperiode zu finden war. Nach einigen Jahrzehnten wurde die Trankocherei als Veredlungsmethode lohnender. An vielen Plätzen schossen ab den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts Trankochereien aus dem Boden. Der Heringstran wurde zu einer bedeutenden Handels- und Exportware. Er war vielseitig verwendbar, als: Lederfett, Imprägniermittel u.v.m., aber meist fand er als Lampenöl Verwendung. Es waren oft Städter, die die Trankochereien errichten ließen und so den größten Gewinn aus dem Hering zogen.

Ein Restprodukt der Trankochereien war der ausgekochte und verfaulende Hering, "der Tranrückstand". Zu Beginn kippte man die Rückstände einfach ins Meer, aber mit der Zeit wurden die Trankochereien, die den Abfall nicht vergraben konnten, dazu verpflichtet, Absetzbecken anzulegen. Dies waren Steineinfassungen im Wasser, die ein Wegschwemmen der Rückstände verhinderten. Auch wenn diese Rückstände übel rochen, so wurden sie doch zum Düngen der Äcker verwandt. Die Zahl der Trankochereien allein auf Orust ist nicht zu ermitteln, aber es gibt Angaben aus dem Jahre 1787, wonach es auf Orust und Tjörn zusammen 136 Trankochereien gab. Die tatsächliche Zahl war sicherlich höher; kleinere bäuerliche Trankochereien beantragten sicher keine Genehmigungen. Die Anzahl der Heringssalzereien schien ungefähr genauso hoch gewesen zu sein. Hier finden Sie eine Kartenskizze einer Trankocherei, die auf Lavön in der Gemeinde Morlanda lag.

1896: Das Hochseeschiff "Die Brüder" von Käringön löscht seinen Fang der überwiegend aus Lengfisch bestand. Foto: Nils Tengbys Sammlung.

Die Heringsperiode des 19. Jahrhunderts

Auch die Heringsperiode des 19. Jahrhunderts war für die Küste und die Küstenorte von Bedeutung.

Die Bevölkerung nahm erneut kräftig zu. Die Konjunktur war gut und viele bauten ihre Häuser um oder bauten neu. Es war in dieser Zeit, als sich die Reihe der Fischerhütten verdichtete. Während dieser Heringsperiode fischte man vor allem mit Schleppnetzen aber auch mit Stellnetzen. Magnus Gustaf Retzius machte in einem Winter in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Reise durch Bohuslän. Er beschreibt die seinerzeitige Heringsfischerei so:

"Nun passieren wir ein Gewässer, wo die Fischernetze so reichlich ausgelegt sind, wie Spinnennetze im Wald. Hier und da sieht man kleinere Boote, deren Besatzung gewöhnlich aus zwei Männern und einer Frau besteht, die die Netze nach Fischen absuchen. Sie ziehen sie an einem Ende heraus und holen den Hering massenweise aus den Maschen. "Man mag fast glauben, daß der Hering was taugt!" - meinte ein Passagier, der vermutlich Heringsaufkäufer war. Man erkannte dies an seinem interessierten Blick. "Das ist fetter Hering, seht wie groß und prall er ist. Man bekommt auf diese Weise besseren Hering, als wenn man sie im Schleppnetz fängt."

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