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Die Konservenindustrie

Die Konservenindustrie entsteht

Um Fisch zu konservieren kann man ihn trocknen oder salzen, oder aber wie den Kabeljau-trocknen und salzen. In Mollösund kann man noch immer die Trockengestelle mit Lengfisch sehen. Während der Heringsperioden entstanden eine Menge Heringssalzereien. Magnus Gustaf Retzius, der Bohuslän 1890 bereiste, beschreibt seinen Besuch in Mollösund folgendermaßen:

"Wir waren schon bald - nach 1 ½ stündiger Fahrt von Marstrand - in dem großen Fischerort Mollösund. In dessen Hafen sah man verschiedene Schiffe mit Hering beladen. Am Strand stehen Fischerbuden in langer Reihe. Überall ist das Heringssalzen in vollem Gang. Wir gehen an Land, denn das Dampfschiff hat eine ganze Weile Aufenthalt. Dicht bei den Landungsbrücken befinden sich zwei große Salzereien. Wir betreten die eine. Es ist eine große Fischbude, ungefähr wie eine Scheune. Der Boden ist mit Heringsresten und Salzlake beschmutzt, so daß man beim Gehen aufpassen muß. Die ganze Luft ist vom Heringsgestank durchzogen. Neben der Türe steht ein kolossaler, mehr als zwei Meter breiter, runder Bottich; zur Hälfte gefüllt mit Hering, der zwei Tage alt ist und vorläufig gesalzen wurde. Daneben stehen zwei junge Frauen, die nach und nach mit der linken Hand die einzelnen Heringe aus dem Bottich holen. Mit einem kleinen Messer, das sie in der rechten Hand halten, machen sie einen hastigen Schnitt in die Bauchseite des Herings; dicht beim Kopf und hinter den Kiemen und reißen mit einem Ruck einen Teil der Eingeweide heraus. Danach werfen sie die Heringe nach genauer Sortierung in kleinere, größere und fetten Hering in drei verschiedene Kübel. Diese Prozedur nennt man den Hering "gälen" oder "ganen" und die Frauen deshalb "Gälerinnen" oder "Ganerinnen". Neben ihnen steht eine dritte Frau, die den ausgenommenen Hering aus den unterschiedlichen Kübeln nimmt und in behutsam in verschiedene Fässer schichtet. So werden die Heringe verpackt, einer nach dem andern, Schicht für Schicht."

Lengfisch wird ausgenommen und aufgeschlitzt. Foto: Hedda Ekman, 1899, Archiv des Nordischen Museeums.
Außer den großen Heringen fischte man auch die kleineren Sprotten. Diese wurden entweder frisch oder gesalzen verkauft, wobei er im letzteren Fall "Brisling" genannt wird. Nachdem die Sprotte beim Salzen ihren feinen Geschmack verliert, war die Nachfrage nicht so groß. In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts begann man in Drammen in Norwegen und in Fjällbacka im nördlichen Bohuslän mit der Ansjovis-zubereitung. Der Salzereibetreiber und Handelsmann J.J. Hallgren von Gullholmen begann in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts mit dem Verkauf von Brissling. 1864 richtete er eine Konservenfabrik auf der Insel ein. Die Einwohner der Insel hatten durch die Hochseefischerei und die Frachtschiffahrt viele Kontakte nach Norwegen. Diese Kontakte waren auch für die Konservenindustrie von Bedeutung, da die Norweger auf diesem Gebiet bereits eine längere Erfahrung hatten. J.J. Hallgren führte einige wichtige Neuerungen für die Ansjovisindustrie ein; u.a. den haut- und grätenfreien Delikatesshering. Er war auch der erste , der die Ansjovis in hermetischen, geschlossenen Behältern aufbewahrte.

1898 wurde Hallgrens Konservenfabrik von der neugegründeten Aktiengesellschaft Vereinigte Schwedische Konservenfabriken (Svensk Förenade Konservfabriker, SFK). Der Sohn Hugo Hallgren zog 1901 nach Ellös und gründete eine neue Konservenfabrik.

Die Konservenfabrik wurde rasch ein typischer Frauenarbeitsplatz. Die neuen Einkünfte der Frauen waren in vielen Heimen sicher sehr willkommen. Aber die Arbeit in der Konservenfabrik war hart, kalt und naß. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein waren die Arbeitsbedingungen nicht besser, als während der Pionierzeit im 19. Jahrhundert.

Neue Technik und neue Fischgründe

Als der Hering um die Jahrhundertwende wieder zurückging, war man besser gerüstet. Boote und Fanggeräte waren nun so beschaffen, daß man den Heringsschwärmen bis aufs offene Meer folgen konnte. Die ersten Motoren wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingebaut. Sich zusammenziehende Netze, die um die Jahrhundertwende eingeführt wurden, steigerten die Fangmenge ständig. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts begannen sich die schwedischen Boote auch an der Islandfischerei zu beteiligen. Dort fischte man den Hering in Treibnetzen.

Durch effektivere Methoden und Gerätschaften entwickelte sich die Fischerei von Bohuslän zu einem modernen und einträglichen Erwerbszweig. Während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich jedoch der Bootsbestand reduziert. Um 1960 war der Bestand an Hering so gering, daß man die Islandsfischerei als nicht mehr lohnend erachtete.

Gegen Ende der neunziger Jahre waren nur noch um die 20 Personen auf Orust berufsmäßig mit der Fischerei befaßt.

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