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fischerei und Makrelenpilgern

Großfischerei

Großfischerei ist Meeresfischerei mit Backor (besondere Art von Schiffen), wie sie die Orustfischer schon seit langer Zeit betrieben. Wir wissen nicht, wann man mit dieser Art Fischerei begann. In einem Zehntregister von 1646-1647 errechnete der Vogt Jakob Nöring in Ellös den Zehnten von 43 "Doggerkutter" von Orust und Tjörn. Die Kutter hatten je 3-5 Fangfahrten gemacht und der Fang lag bei 2.300 "Vålor" Fisch (1 Våla = 10 Fische). Daß die Hakenfischerei für Orust von großer Bedeutung war, zeigt das Kreissiegel von 1664 (das später zu dem heutigen Gemeindewappen umgearbeitet wurde; hieröppnas i nytt fönster erfahren Sie mehr). Auf dem Siegel befinden sich drei Fische, wahrscheinlich Lengfische, je mit einem Haken im Maul.

Die Großfischerei wurde zum Teil mit gedeckten Kuttern, den "Bankkuttern" betrieben, die etwa 12 Meter lang waren, teils mit offenen Booten, den "Backebooten" mit einer Länge von 6-9 Metern. Die Kutter, die bis zu 11 Mann Besatzung hatten, waren etwa 14 Tage am Stück draußen und die Backeboote mit etwa 8 Mann kamen etwa alle 8 Tage nach Hause. Der Fisch wurde teils direkt in Göteborg, teils an Aufkäufer verkauft, die ihn dann in andere Städte transportieren ließen. Im Skagerak fischte man etwa 20-30 Meilen weit draußen.

Der Storbacken ist ein Fischereigerät, das aus einem groben Leinen besteht, in dem eine Menge mit Haken versehene Vorfächer befestigt sind. Von einem Beiboot (Skeboot) aus, das dem Bankkutter folgte, legte man den Storbacken am Nachmittag aus und zog ihn am nächsten Morgen wieder hoch. Als Köder wurde kleingeschnittener Schellfisch und Makrele verwendet, die mit kleineren Leinen gefangen wurden.

Die Absatzmöglichkeiten für Fisch, sowohl im In-, als auch im Ausland verbesserten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Ein entscheidender Grund waren die neuen Transportmöglichkeiten, die die Eisenbahn bot. Die Qualität der schwedischen Fischprodukte wurde durch neue Behandlungsmethoden gesteigert. Die Bohus-fischerei strebte einer leuchtenden Zukunft entgegen und die Aussichten wurden durch eine neue Heringsperiode um 1870 nicht verschlechtert. Die Hochsee-fischerei dominierte aber weiter.

Im Gleichschritt mit der Erholung der Fischbestände wurde die Fangflotte erneuert. Während des 19. Jahrhunderts wurden viele Seeschiffe, auch "Seestiere" genannt, gebaut. Diese waren etwas kleiner, aber wendiger als die Bankkutter. Mit den Seebooten konnte man die Fangleinen auslegen.

In der Zeit von 1810-1887 besaß die Leinenfischerei eine führende Stellung innerhalb der Fischerei an der Westküste. Der Höhepunkt wurde 1863 erreicht, als diese Fangmethode 70% des gesamten Fangwertes ausmachte.

Makrelenpilgern

In Bohuslän hat das Makrelenpilgern eine lange Tradition. Der Pilger ist ein einfaches Gerät mit Haken, das hinter dem Boot hergezogen wird. Die Pilgerboote waren klein, 35-40 Fuß lang. Sie hielten den harten Stürmen auf hoher See nicht stand, deshalb betrieb man die Fischerei mit ihnen nahe der Küste. In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts fischten die Orustfischer entlang der norwegischen Küste, u.a. vor Arendal. Ein großer Teil des Fangs wurde in Egersund und Kristiansand angelandet. 1884 ereignete sich etwas Epoche machendes in der Makrelenfischerei. Zwei Bootsbesatzungen segelten über die norwegische Rinne hinweg zu den Fanggründen in der Nordsee.

Die Kutterepoche

Die bekanntesten Boote innerhalb der Fischereiflotte auf Orust waren die Kutter, die in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts in England gekauft wurden. Die englische Fischerei hatte mit der Entwicklung der modernen Schleppnetze in den fünfziger und sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts einen starken Aufschwung erlebt. Eine Grund hierfür war auch der Ausbau des englischen Eisenbahnnetzes sowie die Verwendung von Eis während der Transporte. In den Fischereihäfen entlang der englischen Ostküste drängten sich um 1870-1880 hunderte von Trawlern, die dort "Smack" genannt wurden und hier bei uns unter der Bezeichnung Kutter liefen.

1877 wurden in England die ersten Versuche unternommen, mit Dampfschiffen zu fischen und 1881 wurde das erste Dampffangschiff "Zodiac" zu Wasser gelassen. Innerhalb von 10 Jahren wurden über 2.000 Dampfschiffe gebaut und viele Segelkutter zum Verkauf angeboten.

Während der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts sank der Preis für Dorsch und Lengfisch; gleichzeitig entstand in den USA eine enorme Nachfrage nach Makrele. Gesalzene und geräucherte Makrele war ein populärer Snack zu Whisky, aber im Jahre 1887 war für die Makrelenfischerei an der amerikanischen Ostküste ein schlechtes Jahr und die Preise schossen in die Höhe.

Im Juli 1884 waren die Boote "Springaren" aus Gullholmen und "Frida" aus Mollösund von Haugesund ausgelaufen, um Makrelen zu fangen. Der Fang war gut und konnte zu einem guten Preis verkauft werden; ab dem Frühjahr 1887 aber konnte man für Makrelen jeden Preis verlangen.

In dieser Zeit kaufte man in Grundsund den ersten Kutter in Bohuslän, dieser wurde aber nach einem Jahr wieder nach Rußland verkauft.1887 wurde der Kutter "Torsten" aus Farsund in Norwegen, wohin er aus England gelangt war, nach Gullholmen verkauft. Mehrere folgten nach, aber die Fischereiausrüstung beließ man in England, nachdem man die Boote ausschließlich für die so lohnende Makrelenfischerei verwenden wollte. Gullholmen, Mollösund und Grundsund wurden zu den größten Kutterhäfen. Auf Gullholmen lag im Jahr 1912 die Zahl mit 57 Kuttern am höchsten; gleichzeitig stieg die Bevölkerung auf knapp 900 an.

Ein englischer Kutter in Mollösund im Sommer des Jahres 1899 Foto: Archiv des Nordischen Museums.
Die Fischereiperiode begann ab Mitte Juli und währte einige Monate; während dieser Zeit war man nur ein paarmal im Hafen, und dann nur um den Fang so rasch wie möglich zu löschen und wieder aufs Meer hinaus zu kommen. Man fischte von drei Uhr morgens bis gegen zehn oder elf Uhr abends und danach mußte der Fisch noch geputzt, gesalzen und in den Fässern verstaut werden.

Welchen Stolz mußte die früher so hart geprüfte Fischerbevölkerung gehabt haben, als die Einkünfte ausreichten, daß man den Liniendampfer von Göteborg nach England besteigen und sich dort einen Kutter kaufen konnte. Man berichtet z.B. über Salomon Johansson von Gullholmen, daß er sich nach dem Kauf des Kutters "Minnie Bacon" nach London begab und sich dort einen Frack und eine Melone (Hut) gekauft hat.

Die Makrelenfischerei betrieb man von Mitte Juli bis Mitte September. Die Fänge wurden in den Häfen des norwegischen Sörland verkauft. Der Arbeitstag war lang. Man fischte vom zeitigen Morgen bis in den späten Abend. Danach stand noch das Einsalzen des Fanges an. Die Blütezeit der Makrelenfischerei in der Nordsee dauerte von 1887 bis 1920. 1920 verboten die USA den Verkauf von Schnaps; der Makrelenpreis sank drastisch, und der Makrelenfang in der Nordsee hörte auf. Die Kutter wurden zur Hochseefischerei bei den Shetlands eingesetzt oder zu Frachtschiffen umgebaut.

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