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Verkehr
Einer unserer ersten Reiseberichterstatter ist der Bischof Jens Nilssøn, der in den Jahren 1594 und 1597 Inspektionsreisen durch Bohuslän unternahm. Der Schreiber des Bischofs verzeichnete präzise alle Höfe, Wasserläufe, Mühlen und Brücken, die die Reisegesellschaft während der Reise passierte. Hierdurch fällt es einem ziemlich leicht, den Weg des Bischofs im Jahre 1594 durch Orust auf einer Karte nachzuvollziehen. Viele der alten Straßen und Wege, die er nahm, gibt es immer noch. Mit seinem Gefolge betrat er die Insel bei dem Seeschuppen von Vasseröd bei Lyresund. Von dort aus ritt er zur Kirche von Tegneby. Danach fuhr er über die Brücke von Vräland nach Myckleby. Nach deren Inspektion nahm er den Weg südlich des Grindsby-Sees zum Seeschuppen von Äng, der nicht sehr weit von einem „Hofe mit Namen Hanaa" (Henån) lag. Von Äng aus lies sich der Bischof nach Dragsmark hinüberrudern, von wo er seinen weiteren Weg durch das Land fortsetzte.
Straßen auf OrustBis ins 18. Jahrhundert hinein bestanden die Wege auf Orust nur aus Pfaden. Zum Transport benutzte man Tragesättel und Schleppvorrichtungen. Schwerere Transportgüter beförderte man bevorzugt im Winter, wenn der Boden gefroren und das Eis die Seen und Wasserläufe bedeckte. Als Bohuslän zu Schweden kam, gab es im Land kaum Wege, die mit dem Wagen befahrbar waren. Es war die Aufgabe des schwedischen Landhauptmanns Harald Stake, mit dem Wegebau zu beginnen. Er schrieb 1662 in seinem Rechenschaftsbericht: "Seit ehedem hatte man hier in der Provinz keine solchen Landstraßen, welche man mit Wagen oder Karren befahren konnte; man kommt nur mit Reiten voran und zu Lande kann man die Bagage (Gepäck) nur auf dem Pferderücken, auf besonderen Schlitten oder Schleifen befördern. Deshalb hat man sich vorgenommen, Straßen durchs Land bauen zu lassen." Als erstes nahm man die Nord-südliche Trasse in Angriff, die heute die E6 (Europastraße 6) ausmacht. Erst im Jahre 1730 begann man auch auf Orust Landstraßen zu bauen. Noch im Jahre 1734 wird für Orust bezeugt, daß „seit urvordenklicher Zeit kein Landweg hier vorhanden gewesen", sondern die Bewohner von Orust eine Verpflichtung für die Straßenunterhaltung (Straßenbaulast) auf dem Festland eingehen mußten. Im Jahre 1739 werden einige einfache Wege auf Orust erwähnt; darunter die Verbindungen Svanesund-Skåpesund, Svanesund-Ellös und Varekil-Assmunderöd. Einen Weg nach Nötesund gab es noch nicht. GasthöfeVor langer Zeit mußten die Reisenden bei den Leuten, die entlang der Straßen wohnten, um Kost und Logie bitten. Reisten höhergestellte Persönlichkeiten, so brachte dies für die Bauern, die sie beherbergen mußten, oft große Belastungen mit sich. Der König, seine Vögte und Beamten hatten das Recht, sich bei den Bauern umsonst einzuquartieren. Dies konnte schon sehr belastend sein. Dieses System wurde auch oft mißbraucht. Um diesem Übel Herr zu werden, begann man Gasthöfe und Fahrgelegenheiten einzurichten. In Norwegen gab es bereits Ende des 13. Jahrhunderts Bestimmungen für Tavernen (Gasthöfe). Die Kriege, in die die damalige Großmacht Schweden im 17. Jahrhundert verstrickt war, führten im Lande zu einem noch höheren Verkehrsaufkommen. Um diesem neuen Bedarf gerecht zu werden, wurde eine „Herbergenverordnung" erlassen. Gemäß dieser Verordnung sollte es entlang der Landstraßen im Abstand von je 2 Meilen einen Gasthof geben. Die Gasthöfe sollten den Reisenden Kost und Logie bieten. Außerdem sollte eine Fahrtgelegenheit zum nächsten Gasthof bestehen. Aus diesem Grund wurden die Straßen und Wege vermessen und mit Meilensteinen versehen; diese waren ursprünglich aus Holz, wurden aber später aus Stein gefertigt. Auf Orust existieren noch mehrere Meilensteine. Einer steht in Assmunderöd und trägt die Jahreszahl 1751. Ein anderer steht neben der Straßenkreuzung bei Hogen in der Gemeinde Tegneby. Man vermaß die Straßen, damit die Reisenden ihr Fahrgeld ausrechnen konnten, welches pro Meile zu entrichten war. Es handelte sich dabei um die alte schwedische Meile, die annähernd 10,7 km (10.688 m) lang war. Auf Orust dauerte es einige Zeit bis dieses System seinen Durchbruch hatte, aber seit dem Ende des 18. Jahrhunderts und fast während des gesamten 19. Jahrhunderts gab es gut und gerne 10 Gasthöfe auf der Insel. Die Reise von Uddevalla nach Mollösund über Nötesund, Henån, Hogen und Nösund kostete im Jahr 1890 etwa 9 Kronen. Dies entsprach etwa 14 Tage Arbeit in der Landwirtschaft oder 8 Liter Branntwein. Mit dem Baubeginn der Eisenbahn schlug diese die Fahrangebote und diejenigen Gasthöfe, die nicht an den Eisenbahnlinien lagen, als Konkurrenz aus dem Felde. Diese Entwicklung begann im übrigen Schweden schon um 1850, lies aber in Bohuslän bis ins erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts auf sich warten; damals wurde die Bohusbahn gebaut. Bis 1915 hatte sich die Zahl der Reisestationen und Gasthöfe schon mehr als halbiert. Auf Orust gab es damals noch 8 Gasthöfe: Nösund, Hällevikstrand, Ellös, Henån, Assmunderöd, Hogen, Varekil und Svanesund. Das Herbergensystem zerfiel innerhalb weniger Jahre und im Jahr 1933 wurde das Reisestatut aufgehoben. Fährverbindungen und ÜbersetzstellenWenn man durch Bohuslän reist, trifft man ständig auf Wasser, Flüsse, Sunde und Fjorde. Deshalb braucht es auch so viele Fährverbindungen und Übersetzstellen. So auch auf Orust! Im Jahre 1890 gelangte man über die Fährverbindungen Nötesund, Svanesund und Skåpesund nach Orust. Darüber hinaus gab es Schiffsverbindungen mit u.a. Nösund, Mollösund, Ellös und Käringön. Die wichtigste Fährverbindung war Svanesund. Sie wurde mehrmals umgebaut, um den angestiegenen PKW- und Busverkehr bewältigen zu können. ![]() Männer des Landsturmswerden während des ersten Weltkriegs mit der alten Skåpesundsfähre nach Tjörn übergesetzt. Links steht der Fährmann Hans Hermansson. Foto: Erik Asklands Sammlung. DampfbootepocheNachdem weite Reisen zu Lande sehr beschwerlich waren, spielten die Reisewege zur See eine weit wichtigere Rolle als heutzutage. Das Wasser hat Orust nicht nur vom Festland getrennt, es stellte auch die Verbindung dar. Man kann mit Fug und Recht behaupten, daß die Verbindungen in den Schären heute sogar schlechter sind, als noch vor 100 Jahren. Damals erreichte der Dampfschiffahrtsverkehr seinen Höhepunkt. Große Reedereien waren „Die Küste von Bohuslän" und „Die Marstrandsgesellschaft". Nach 1914 lies „Die Marstrandsgesellschaft" ihr letztes Flaggschiff, die „Bohuslän" vom Stapel, das in nur 6 Stunden die Strecke Göteborg-Kungshamn über u.a. Mollösund und Gullholmen bewältigte. Noch um 1940 wagte jemand zu glauben, daß „die geographische Struktur dieser Provinz so beschaffen sei, daß man den Dampfschiffverkehr nie entbehren könne." Aber in den folgenden Jahrzehnten war man doch gezwungen, die stolze Dampfschiffepoche zu Grabe zu tragen. Neue Verkehrsmittel und StraßenAls der alte Hans Berntsson aus Tveteborg bei Tegneby um 1880 dastand und Holz hackte, bekam er einen sogenannten „Veloziped-Ritter" (Radfahrer auf einem Hochrad) zu sehen. Hans verstand sofort, was die Stunde geschlagen hatte . er rannte ins Haus und rief, daß er gerade den Teufel selbst gesehen habe, wie er auf einem Spinnrad und hinterherrollendem Schwanz vorbeigefahren sei. Man erzählt, daß das erste Automobil auf Orust im Jahre 1913 angekommen sei; mit Sven Hedin hinter dem Steuer - aber vielleicht saß er aber auch nur neben seinem Chauffeur. Melin Åkerström mit seinem ersten Ford T-Modell in Svanesund war der erste Taxiunternehmer auf dem östlichen Teil Orusts. Um die Jahrhundertwende herum wurden in vielen Gegenden von Bohuslän Eisenbahnverbindungen geplant. So auch auf Orust, wo man gedachte, Ellös über Flatön und Uddevalla zu verbinden. Die meisten dieser Pläne wurden aber nie umgesetzt. Anstatt ihrer war es der Busverkehr, der auf neuen oder verbesserten Straßen bis in die Küstenorte gelangte. 1926 wurde für die Fährverbindung in Svanesund eine große Autofähre angeschafft, so daß dann die Buslinie von Svanesund nach Ellös eingeweiht werden konnte. 1938 baute man die Brücke über den Skåpesund (1980) durch eine neue ersetzt und im Jahre 1966 wurde die Überfahrt nebst Brücke und Tunnel bei Nötesund eingeweiht. 1960waren auch die Tjörn-Brücken fertig. Durch all diese Brücken wurde Orust mit dem Festland verbunden. ![]() |
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